…die Frage nach der Zukunft der Integration in Deutschland
Ali: Mittlerweile bin ich der Meinung, dass das Thema “Integration” von großen Teilen der deutschen Bevölkerung sogar als “Schick” bezeichnet wird. Es ist immer gut Gutes zu tun. Es ist gut für das eigene Gewissen! Man geht hinüber zur türkischen Nachbarin, fragt sie was das Kopftuch zu bedeuten darf, was sie vom Islam hält oder fragt höfflich nach dem privaten und traditionellen Köfte-Rezept; Exotisches ist wundervoll, so geheimnisvoll, auch lecker. Man lernt einige, zu bestimmten Anlässen passende Floskeln, wenn man den netten russischen Nachbar danach fragt. So ist man sehr stolz auf sich, wenn man auf einmal in zwei Sprachen, mit zwei unterschiedlichen Kulturen, auf das eigene Wohl anstoßen kann. Man feiert, wenn die Jungs der Nationalmannschaft wie Kuranyi (Brasilianischer Migrationshintergrund), Podolski (Polnischer Mig.Hintergrund) oder Klose (Ebenfalls polnisch-deutscher Mig.Hintergrund) Spiele oder gar Meisterschaften gewinnen.
Fritz: Was passiert aber, wenn auf einmal ein griechischer Anwalt die Interessen vertritt, wenn ein polnischer Arzt nach dem Wohlbefinden schaut, ein senegalesischer Schriftsteller mit deutschen Literaturpreisen überhäuft würde oder ein dänisch-stämmiger Politiker der Meinung wäre, dass auch Schüler in Bayern dänisch lernen sollten? Ah, super, man sagt: “Das gibt es schon! Bis hierhin nichts Besonderes!” Aber: Allesamt sind Menschen, die in Deutschland geboren und aufgewachsen sind und sogar in Deutschland studiert haben! Gemein gesagt: Erfolgreicher sind (Beruflich, sportlich, privat etc.) als Teile der einheimischen Bevölkerung! Was wird dann passieren? Wie werden die Menschen in Deutschland darauf reagieren?